Wolkenträger und Nachtwarner

 

Bei der ReiseReise Werkreihe kristallisiert sich gerade eine weitere Unterrubrik heraus.

  • Da haben wir zunächst die Reise durch die 25 Jahre künstlerischen Arbeitens. Die Zusammenfassung und Umdeutung der entwickelten Zeichen, Prozesse, Formen und Farben. Die Hinwendung zum surrealen (Bühnen-) Bild mit eigens entwickelter Bildsprache und Bildkleid.
  • Zum zweiten gibt es die umhüllende Betrachtung eines Motivs in den unterschiedlichen Medien von Malerei, Holzschnitt und Zeichnung. Es ist die Reise um ein Bild herum und seine Erscheinung unter immer anderen Blickwinkeln.
  • Zuletzt kommt nun eine Reise durch tradierte Bildtypen. Es begann mit dem Passionszyklus, dann folgte das Retabelbild mit hervorgehobenen Mittelteil und Bilderzählungen im umgebenden Rahmen, es gibt das Bühnenbild mit flachem Raum und narrativ dramatischer Erzählung, es gibt das Einzelportrait und nun gibt es die hochformatige Einzelfigur. All diese Bildtypen finden wir in der europäischen Kunstgeschichte mit seiner christlichen und bürgerlich geprägen Kaufmannstradition. Diese Bildtypen werden befragt, neu gefüllt und z.T. karikiert. Sie werden aber nicht zerstört oder offengebrochen. Sie werden gehalten durch hohe Handwerklichkeit und der Bedingung von Form und Inhalt. Nichts wirkt skizzenhaft, nebensächlich oder unbedacht.

Zu dem letztgenannten Bildtyp, der hochformatigen Einzelfigur gibt es nun zwei erste Arbeiten. Sie lehnen sich an Apostel, Ritter oder Darstellungen von Kaufleuten an und zeigen hier den Tag in der Nacht und die Nacht im Gegenlicht des Tages. 

 


 

Es ist der Wolkenträger, der den Himmel ins Motiv bringt. Die heitere goldene aufgerichtete Figur schwankt zwischen Ritterrüstung und Harlekingewand. Ein Schauspieler, eine Bühnenfigur und keine Abbildung der Realität. Eher wird hier die Realität herübergehoben und gewandelt für die Bühne. Das ernste Spiel welches der Kunst so eigen ist. Es steht die Sonne vor dem dunklen Raum. Paradox und im Bild doch möglich weil hier die Hoffnung auf den hellen Tag verkündet wird. 

Die andere Figur, die sich zu winden und verdrehen scheint. Eine Figur die in sich eingesperrt wirkt und die eine fremde Farbe wie ein Farbkleid über dem Körper trägt. Eine dünne Schutzschicht über der Nachtgestalt mit einer Art Trompete in der Hand. Also ein Instrument welches ein Signal verkündet; lauter als die Stimme, durchdringender im Ton. Und in der Nacht erfährt dieses Signal besondere Bedeutung. Es ist die Warnung in der Ruhe vor der Gefahr in der Dunkelheit. 

Die beiden Figuren sind gegensätzlich und doch miteinander verbunden. Es ist das gegensätzliche Spiel zwischen Figur und Hintergrund, die Hell-/Dunkelauslotung. Es sind beides überzogene Bühnenfiguren, die ihre Rolle darstellen. 

Beide waren nicht von Anfang an klar und durchgeformt. Es gab jeweils eine Bleistiftskizze, die weiterentwickelt und mit einer farblichen Überhöhung belegt wurde. Intuitive Kleingegenstände wurden auf wenige charakteristische Merkmale zusammengestaucht - Sonne - Wolken - Instrument. Die Kopfbedeckungen steigern die Kunstfigur und wiederholen den Inhalt des Geschehens. So sind diese beiden Figuren unausweichlich in der Welt vorhanden und zeigen hier ein mögliches Erscheinungsbild.

 


 
Bleistiftskizze als Entwurf. Es sind intuitieve Zeichnungen die ohne Korrektur in wenigen Momenten entstehen. Aus dem Megaphon wurde das Instrument bei der Nacht, aus meinem bekannten Fächer wurden die Wolken und die Sonne hat ihren Ursprung in einem Fensterbild einer Krankenhauskapelle in Bonn Beuel.
 
 
 

 Die beiden Flügel des Paumgartner Altars von Albrecht Dürer. Kleine Details fließen in die Bilder mit ein z.B. die Fächerung der Kleidung und die Übersetzung der Fahne. Ein bisschen verrückt war, dass es diesen merkwürdigen Drachen auf meiner Skizze und dem Dürerbild gibt.     
 
 
 
 

 Diese Sonne der Beuler Krankenhauskapelle (Entwurf von Claus Kerwer) diente als Zitat und Insperation für die Sonne des Wolkenträgers. 

 

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