ReiseReise - Station I


 

Vernissage: 30. August 2026 um 11 Uhr
Einführung in die Ausstellung: Alexandra Wendorf
Musik: Markus Rundel (Cello)
Grußwort: Cornelia Nasner


Ausstellungsort: Kunstraum Bad Honnef, Rathausplatz 3


Ausstellungsdauer: 30.8. – 20.9.2026
Öffnungszeiten: Fr. 16 – 19 Uhr,
Sa. und So. 11 – 14 Uhr


Künstlergespräch: 11. September um 19:30 Uhr

 

Die ReiseReise Werkreihe fasst in mancherlei Hinsicht die letzten 20 Jahre meines Schaffens zusammen. Hier tauchen Motive und formale Strategien auf, die in den vergangenen Werkgruppen gefunden und entwickelt wurden. So finden wir den altmeisterlichen Bildaufbau der Planquadrate (2000 – 2004), die Farbbehandlung der Organic System Phase (2007 – 2012), das flächige Volumen des Dunklen Lichtes (2013 – 2017) und das Narrativ des Passionszyklus (2018). In dieser Werkreihe werden formale und inhaltliche Komponenten neu zusammengefügt.

So setzt sich der Zug von Bonn aus in Bewegung und macht Halt am Kunstraum Bad Honnef. Die Ladung dreier Güterwaggons wird entladen, um sie allen Interessierten zur Ansicht für drei volle Wochen zur Verfügung zu stellen. Im ersten Waggon befinden sich vielgestaltige Zeichnungen, die ihren Charakter durch eine offensichtlich schnelle und intuitive Arbeitsweise erlangt haben. Im zweiten Waggon befindet sich Druckware, die ein Ergebnis durchwirkter Holzschnittarbeit ist. Und im bereits fertig beladenen dritten Güterwaggon befindet sich großformatige Flachware in Form von Temperabildern.

Sinn dieser dreigestaltigen Lieferung ist das handwerkliche und motivische Ineinanderwirken der einzelnen Warengruppen. So wird der Herstellungsprozess transparent und erweitert die Sicht auf einen althergebrachten Bildbegriff. In jeder Fertigungsphase erscheint uns das gleiche Bildmotiv stets anders.


 

 

Hier entsteht ein Verlaufstagebuch zur Ausstellung:

 

11. August 2026

Die großen Bilder werden transportiert. Das geht natürlich nur mit einem gemieteten Transporter, den ich wie immer bei der Firma Hertz abhole. Heute gab es eine derbe Überraschung. Man wollte mir für eine Tagesmiete (ca. 50 €) auch noch eine Gesamtkaution von ca. 1150 € berechnen. Das sollte man wohl mal vorher wissen. oder? Bisher, also vor 3 Jahren, habe ich 250 € Kaution hinterlegt. diese wurden dann am Abend bei Rückgabe verrechnet und ich kam mein Geld zurück. Nun läuft alles über EC Karte und ich bekomme meine Kaution in einigen Tagen zurück. Es läuft darauf hinaus, dass ich eine andere Firma suche. 

Der Transport hat wunderbar geklappt und die Bilder passen hervorragend in diesen Kunstraum von Bad Honnef. Es wird Klasse aussehen. 

 

 Der Transporter vor dem Kunstraum Bad Honnef.

 



Ausladen und Auspacken der Bilder. Erstes Stellen der Ausstellung 

 

 

9. August 2026

Die ersten Bilder werden aufgehangen. Der Anfang und das Ende der Ausstellung ist damit schon klar und festgelegt. Am Eingang hängt eine Arbeit aus den ersten Jahren meiner künstlerischen Tätigkeit (Four Marvin II, 224 x 150 cm, Acryl auf Papier, 2002). Von hier aus wird der Bogen in die Ausstellung geschlagen. Die Bildanlage und einzelne Elemente kann man auch in den aktuellen Bildern wiederfinden. 

Am Ende der Ausstellung hängen 5 Holzschnitte aus den Jahren 2020. 2021 und 2026. Hier hängt auch die letzte entstandene Arbeit aus diesem Jahr (Andrehas). Es sind die Cross over Holzschnitte, in denen die Elemente der vergangenen Jahre und Werkreihen nun neu zu einem Bild zusammengefügt werden. Damit hatte ich 2020 bei der großen Grafikausstellung in Sinzig begonnen. 

 

 

 

 

  

8. August 2026

Erste Bilder und die Platten für die Zeichnungen werden in den Kunstraum gebracht. So wird auch die erste ganz grobe räumliche Struktur angelegt.  

 



 

7. August 2026

Alle Arbeiten sind eingepackt und stehen für den Transport bereit. Zum ersten Mal habe ich die Bilder in Luftpolsterfolie verpackt. Die Oberflächen sind mir etwas zu empfindlich. Holzschnitte wurden gerahmt und die alte Papierarbeit wird an Klammern gehangen. 

 

Verpackte Arbeiten im Atelier - die ganze Ausstellung
 

 

27. Juli bis 6. August

Am 27. Juli beginne ich mit der Sortierung und Zusammenstellung der Arbeiten. Zeichnungen werden aus dem Archiv gesucht und zusammengestellt. Die Holzschnitte werden zusammengetragen und gerahmt. Bilder werden aus dem Lager ins große Atelier geholt und Aufhängungen befestigt. Es werden vorhandene Platten neu gestrichen. Sie dienen als Ablagefläche für die Zeichnungen. Auch die Stellböcke werden weiß gestrichen. all das wird in der Wochen vom 27.7 - 1.8.2026 erledigt. 

Am 3. August hole ich die Plakate in Honnef ab und bekomme den Schlüssel. Die Einladungskarten sind mittlerweile auch fertig. Erste Plakate werden in Honnef aufgehangen und Einladungen in den Geschäften verteilt.

Am 6. August kommt Frau Wendorf ins Atelier zur Vorbesprechung der Eröffnungsrede. Die ganzen Arbeiten stehen sortiert im Atelier. Mit Herrn Rundel bespreche ich die Musik der Vernissage. Er hat ein tolles Stück ausgewält.

 



 
 
  

Das ausgewählte Musikstück für die Vernissage:


 

 

Andrehas

 

Kohlezeichnung, 100 x 70 cm
 
 

Aus der Ideensammlung ergab sich ein erstes Motiv. Hier wird die Figur direkt mit einem Element verbunden. Der Zusammenhang zwischen Mensch und Gegenstand wird verknüpft. Hier zwischen Bewegung und Mensch. Im Folgenden wird nun dieses Motiv bearbeitet. Es werden verschiedene Variationen erstellt und in unterschiedlichen Methoden umgesetzt - Bleistift, sprühen mit Schablone, Holzschnitt.
 
 
 

Bleistiftzeichnung 29,7 x 21 cm
   
 
 
 
Sprühen mit Schablone (100 x 70 cm)
 
 

Schablonen
 
 
 



gesprühte Version 

 
 
 
 
     
 
Entwicklung des Holzschnittes
 
 
 
 
 


 
Holzschnitt - III. Zustand (100 x 70 cm) 
 
 

Entwicklung des Farbholzschnittes. Erste Farbe mit einer zweiten Druckplatte
 
 
 
 

 
  
Zweite Farbe indem die bisherige Farbplatte weitergeschnitten wurde.
 
 
 
 

 Fertigdrucken in unterschiedlichen Farbvarianten.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 



100 x 70 cm, Holzschnitt, 2026

Zeichnungen 2026

Ideensammlung

 

 



 
 


Im Mai 2026 ist es mal wieder soweit. Eine Serie von Kohlezeichnungen entstehen (100 x 70 cm). Sie dienen zur Ideenfindung und haben keinerlei Anspruch auf zeichnerische Qualität. Unmittelbar und roh sollen sie sein.

 

Wolkenträger und Trompeter

 

Bei der ReiseReise Werkreihe kristallisiert sich gerade eine weitere Unterrubrik heraus.

  • Da haben wir zunächst die Reise durch die 25 Jahre künstlerischen Arbeitens. Die Zusammenfassung und Umdeutung der entwickelten Zeichen, Prozesse, Formen und Farben. Die Hinwendung zum surrealen (Bühnen-) Bild mit eigens entwickelter Bildsprache und Bildkleid.
  • Zum zweiten gibt es die umhüllende Betrachtung eines Motivs in den unterschiedlichen Medien von Malerei, Holzschnitt und Zeichnung. Es ist die Reise um ein Bild herum und seine Erscheinung unter immer anderen Blickwinkeln.
  • Zuletzt kommt nun eine Reise durch tradierte Bildtypen. Es begann mit dem Passionszyklus, dann folgte das Retabelbild mit hervorgehobenen Mittelteil und Bilderzählungen im umgebenden Rahmen, es gibt das Bühnenbild mit flachem Raum und narrativ dramatischer Erzählung, es gibt das Einzelportrait und nun gibt es die hochformatige Einzelfigur. All diese Bildtypen finden wir in der europäischen Kunstgeschichte mit seiner christlichen und bürgerlich geprägen Kaufmannstradition. Diese Bildtypen werden befragt, neu gefüllt und z.T. karikiert. Sie werden aber nicht zerstört oder offengebrochen. Sie werden gehalten durch hohe Handwerklichkeit und der Bedingung von Form und Inhalt. Nichts wirkt skizzenhaft, nebensächlich oder unbedacht.

Zu dem letztgenannten Bildtyp, der hochformatigen Einzelfigur gibt es nun zwei erste Arbeiten. Sie lehnen sich an Apostel, Ritter oder Darstellungen von Kaufleuten an und zeigen hier den Tag in der Nacht und die Nacht im Gegenlicht des Tages. 

 

 

 Wolkenträger und Trompeter, je 200 x 90 cm, Tempera auf Leinwand, 2026 
 
 
 

Es ist der Wolkenträger, der den Himmel ins Motiv bringt. Die heitere goldene aufgerichtete Figur schwankt zwischen Ritterrüstung und Harlekingewand. Ein Schauspieler, eine Bühnenfigur und keine Abbildung der Realität. Eher wird hier die Realität herübergehoben und gewandelt für die Bühne. Das ernste Spiel welches der Kunst so eigen ist. Es steht die Sonne vor dem dunklen Raum. Paradox und im Bild doch möglich weil hier die Hoffnung auf den hellen Tag verkündet wird. 

Die andere Figur, die sich zu winden und verdrehen scheint. Eine Figur die in sich eingesperrt wirkt und die eine fremde Farbe wie ein Farbkleid über dem Körper trägt. Eine dünne Schutzschicht über der Nachtgestalt mit einer Art Trompete in der Hand. Also ein Instrument welches ein Signal verkündet; lauter als die Stimme, durchdringender im Ton. Und in der Nacht erfährt dieses Signal besondere Bedeutung. Es ist die Warnung in der Ruhe vor der Gefahr in der Dunkelheit. 

Die beiden Figuren sind gegensätzlich und doch miteinander verbunden. Es ist das gegensätzliche Spiel zwischen Figur und Hintergrund, die Hell-/Dunkelauslotung. Es sind beides überzogene Bühnenfiguren, die ihre Rolle darstellen. 

Beide waren nicht von Anfang an klar und durchgeformt. Es gab jeweils eine Bleistiftskizze, die weiterentwickelt und mit einer farblichen Überhöhung belegt wurde. Intuitive Kleingegenstände wurden auf wenige charakteristische Merkmale zusammengestaucht - Sonne - Wolken - Instrument. Die Kopfbedeckungen steigern die Kunstfigur und wiederholen den Inhalt des Geschehens. So sind diese beiden Figuren unausweichlich in der Welt vorhanden und zeigen hier ein mögliches Erscheinungsbild.

 


 
Bleistiftskizze als Entwurf. Es sind intuitieve Zeichnungen die ohne Korrektur in wenigen Momenten entstehen. Aus dem Megaphon wurde das Instrument bei der Nacht, aus meinem bekannten Fächer wurden die Wolken und die Sonne hat ihren Ursprung in einem Fensterbild einer Krankenhauskapelle in Bonn Beuel.
 
 
 

 Die beiden Flügel des Paumgartner Altars von Albrecht Dürer. Kleine Details fließen in die Bilder mit ein z.B. die Fächerung der Kleidung und die Übersetzung der Fahne. Ein bisschen verrückt war, dass es diesen merkwürdigen Drachen auf meiner Skizze und dem Dürerbild gibt.     
 
 
 
 

 Diese Sonne der Beuler Krankenhauskapelle (Entwurf von Claus Kerwer) diente als Zitat und Insperation für die Sonne des Wolkenträgers. 

 

Druckfrisch 2026